«Digital transformation sucks!» Wie bitte?

by Sibylle Stromeyer
Tags: Agile , Cloud , Digital Transformation , Culture Shift

Alle reden von digitaler Transformation, wollen disruptiv sein und neue Märkte digital erschliessen, agile wie ein Start-up funktionieren und im culture-shift anpassungsfähiger werden. Was heisst eigentlich «Digitale Transformation»?

Transformation «Transformation» bedeutet nichts anderes als Wandel. Dieser gestaltet sich fortlaufend – in der Gesellschaft ebenso wie im Unternehmen. (Foto: BeCompany)

Digitale Transformation scheint die Antwort auf alles geworden zu sein. Jeder im Markt vernetzt intelligent, transferiert digital, analysiert big und stellt in die cloud. Vieles wird vermischt und über einen Kamm geschoren. Differenzierte Betrachtungsweise? Fehlanzeige. Digital Transformation sucks!

Lassen Sie sich nicht beirren von Buzzwords und kompliziert klingenden Definitionen. «Digital» bedeutet an dieser Stelle, dass Veränderungen durch neue Informationstechnologien getrieben und teilweise erzwungen werden. Als Begründung müssen Hype-Technologien herhalten, denen Erstaunliches zugesprochen und von denen Enormes erwartet wird. Die Wirklichkeit ist komplexer.

Die Treiber für den Druck dieser Entwicklung, die wir gemeinhin als «Digitale Transformation» bezeichnen, sind folgende:

  1. Intensiver internationaler Wettbewerb. Die Anzahl der World-Class-Unternehmen hat in jedem Segment rasant zugenommen. Wir stehen dominanten Playern gegenüber. Der Zugang zu internationalen Märkten ist heute einfacher als noch vor kurzem, und lokale Grenzen sind gefallen.
  2. Fragmentierte, anspruchsvolle Märkte. Emanzipierte Kunden sind anspruchsvoll. Sie entscheiden differenziert und reagieren sensibel auf Unterschiede bei der Produkt- und Preiswahl.
  3. Vielfältige, parallel verlaufende Technologien. Breite und Tiefe der rasant wachsenden Technologien kreieren laufend neue Möglichkeiten. Was fehlt, ist eine Homogenisierung sowie die Einigung auf gemeinsame und verbindliche Standards.
Es geht um den Zusammenhang zwischen verfügbarer Technologie, Nutzerverhalten und Adaption der Technologie durch Unternehmen. Diese drei Parameter definieren den Status der Veränderung.

Rasanter technischer Fortschritt und viele Akteure

Das Rad des technischen Fortschritts dreht sich immer schneller. Diese Veränderung sollte nicht isoliert betrachtet werden, sondern steht im Zusammenhang mit drei wesentlichen Übereinstimmungen, nämlich dem Nutzerverhalten, der verfügbaren Technologie und der Adaption durch ein Unternehmen. Die Anzahl der daran beteiligten Akteure ist sehr hoch, vielfältig und heterogen. Produkte und Services sind zu komplexen Systemen zusammengewachsen, die Sensoren, Datenspeicherung, Mikroprozessoren, Software und Konnektivität in vielfältiger Weise miteinander verbinden. Während aber Computer immer leistungsfähiger, schneller und billiger werden, verändern Menschen ihr Verhalten und ihre Einstellungen nur langsam.

«Transformation» hat einen Anfang und ein Ende

Der Begriff «Transformation» steht für einen Prozess, der einen Anfang und ein Ende hat. Digitale Transformation ist aber kein neues Konzept. Der Begriff steht für einen evolutionären Prozess, in dem wir uns seit 1989 befinden. Dieser beinhaltet die Etablierung vernetzter, dezentraler und selbstorganisierender Systeme, die den Menschen in seinem Umfeld unterstützen. Daher ist der Begriff «Digitale Transformation» schlicht falsch und irreführend.

Unternehmen brauchen in den Kernbereichen einen allumfassenden, kontinuierlich geführten Change-Prozess.

Mit digitaler Transformation lässt sich kein Rückstand nach dem Stillstand aufholen oder ein Unternehmen fit machen. Digitale Transformation ist auch keine Führungseigenschaft. Transformation bedeutet nichts anderes als Wandel – nicht plötzlich oder einschneidend, sondern allmählich und fortlaufend. Dieser Wandel führt zu einer langsamen Veränderung der bestehenden Verhältnisse, einschliesslich dem Verständnis von Produktentwicklung und Verkauf, sowie der Kunden- und Geschäftsbeziehung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Für Ihr Unternehmen heisst das: Sie brauchen in den Kernbereichen einen allumfassenden, kontinuierlich geführten Change-Prozess.

Harte Arbeit für das Management

Der Prozess dauert an, und ein Ende ist nicht abzusehen. Das muss man verstanden haben, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Es geht hier um eine Grundhaltung – und nicht um die Auswirkungen (potenzieller) Technologien. Leider liegt genau hier das Missverständnis. Teile unserer Wirtschaft kämpfen gegen Windmühlen und andere verschlafen gerade ihre Zukunft.

Fazit: Veränderung ist ein konstanter Prozess. Sie zu begreifen ist nicht immer einfach, und sie zu managen schon gar nicht. Voraussetzung dafür ist ein klares Strategieverständnis – und das ist harte Arbeit für das Management.

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