Denn sie wissen genau, was zu tun ist

by Sibylle Stromeyer
Tags: Agile , Project Management , Digital Transformation , Culture Shift

Menschen haben einen Riecher für Potenziale. Wer Ideen aus dem Team ignoriert, nur weil sie einem Chef nicht gefallen, vergibt Chancen – denn Mitarbeitende und Kunden haben ähnliche Bedürfnisse. Unsere Tipps für den Aufbau digitaler Kompetenz im Unternehmen.

Transformation Jede Organisation besteht aus Menschen. Wer seinen Mitarbeitenden gut zuhört, kommt auch seinen Kunden näher. (Foto: BeCompany)

Dass der Begriff «Digitale Transformation» irreführend ist, haben wir hier schon dargelegt. Es geht nicht um einen einfachen Wandel (Transformation), sondern um einen evolutionären Prozess. Dieser nährt sich von den Wechselwirkungen zwischen verfügbarer Technologie, Nutzerverhalten und Adaption der Technologie durch Unternehmen.

Das Prinzip der Selbstorganisation

In vielen Bereichen wie Politik, Unternehmen und Wissen sind frei zugängliche Informationen mittels Einsatz von vernetzten Software-Systemen leicht zu beschaffen. Es sind neue Strukturen und Organisationsformen entstanden, die das Nutzerverhalten beeinflussen. Das Prinzip der Selbstorganisation wurde dank dem Internet in grossem Rahmen möglich. Der virtuelle Raum wird immer mehr zu einem interessengetriebenen und selbstbestimmten Ort. Teilnehmer kommunizieren und bewegen sich autonom. Sie kooperieren, ohne dass erkennbare steuernde Elemente vorliegen. Das Prinzip der Selbstorganisation macht Hierarchien überflüssig. Einzelne Personen oder Gruppen organisieren sich horizontal wie vertikal über verschiedene digitale Medien. Sie formieren sich je nach Interesse, tauschen sich aus und gehen wieder auseinander. Dabei nimmt jeder eine zeitlich begrenzte Rolle und Funktion ein. Das Interesse kann sich je nach Themengebiet schnell ändern und ist nicht auf eine Person fixiert. Die Informationen fliessen nicht mehr von oben nach unten, sondern sind frei vernetzt, nachvollziehbar und transparent. Wir informieren uns alle, privat und beruflich, über das Internet – und treffen je nach Qualität der Information bessere Entscheidungen.

Vor allem Unternehmen mit stark ausgeprägten Hierarchien und einer konservativen Produktstrategie tun sich schwer mit frei vernetzten, transparenten Strukturen.

Wir sind überzeugt, dass diese Entwicklung in einigen Unternehmen zu wenig angekommen ist.

Merkmale finden sich vor allem in Industrien, die bisher wenig oder gar nicht unter Innovationsdruck standen. Vor allem Unternehmen mit stark ausgeprägten Hierarchien und einer konservativen Produktstrategie tun sich schwer mit frei vernetzten, transparenten Strukturen und nehmen oft Abwehrhaltungen ein, in der Projektarbeit (agiles Management) ebenso wie in der Unternehmenskultur (Change Management).

Menschen spüren Potenziale für Veränderungen

Jede Organisation besteht aus Menschen. Sie haben unterschiedliche Fähigkeiten und Ansichten. Viele finden kein Gehör: In manchen Teams werden Ideen ignoriert, sobald eine Führungskraft sie ablehnt. Dabei spüren Menschen die Potenziale für Veränderungen – und die Kluft zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte.

Die Rolle des Mitarbeiters und jene des Kunden verändern sich ständig. Die Bedürfnisse beider Gruppen sind gleich; ein Mitarbeiter ist zwangsläufig ein Kunde und umgekehrt. Unternehmen tun gut daran, den Rat von Professor Colin Lankshear, Experte für die Entwicklung digitaler Kompetenzen, zu befolgen: «Vertraue auf die menschliche Fähigkeit, im gegenwärtigen Augenblick Unstimmigkeiten zu spüren und das Potenzial für Veränderungen zu sehen und anzunehmen.»

Verschwenden Sie Ihre Energie weder auf in die Jahre gekommene Anwendungen noch auf den jüngsten Hype – es sei denn, Sie haben Geld und Zeit für Experimente.

Wie können Sie das Potenzial Ihrer Mitarbeitenden für Ihr Unternehmen nutzen? Die Professoren Colin Lankshear und Michele Knobel haben das Modell der drei Levels des digitalen Wissens entwickelt. Wir haben es mit weiteren Erkenntnissen aus unserer Erfahrung ergänzt.

  • Bauen Sie digitale Kompetenz innerhalb Ihres Unternehmens auf, um neue Technologien zu verstehen, sowohl grundsätzlich wie auch im Zusammenhang mit ihrem Unternehmen. Finden Sie heraus, wer dafür geeignet ist und wer Sie dabei unterstützen kann. Verschwenden Sie Ihre Energie weder auf in die Jahre gekommene Anwendungen noch auf den jüngsten Hype – es sei denn, Sie haben Geld und Zeit für Experimente.
  • Ihre Mitarbeitenden sind wahrnehmende Personen mit einem klaren Wertesystem – genau wie Ihre Kunden. Nutzen Sie dieses Potenzial, um neue Wertesysteme im digitalen Umfeld frühzeitig erkennen, verstehen und bewerten zu können. Vertrauen Sie auf die intuitive Wahrnehmung Ihrer Mitarbeitenden. Die sich verändernden Wertemuster einer Gesellschaft sind die Treiber der digitalen Transformation, da sie neue Bedürfnisse schaffen. Ihre Mitarbeitenden können neue Potenziale erkennen.
  • Wenden Sie das Prinzip der Selbstorganisation an: Lassen Sie Ihre Mitarbeitenden autonom und eigenverantwortlich agieren. Das Ergebnis eines solchen Prozesses verändert auf positive Weise die Ausgangsbedingungen, integriert neue Erkenntnisse, fördert Eigendynamik und Motivation. Dies ist für den Verlauf des weiteren Prozesses der Lösungsfindung und somit auch für das Ergebnis entscheidend. Ein selbstorganisiertes System verändert seine grundlegende Struktur immer abhängig von seinem jeweiligen Entwicklungsprozess und seiner Umwelt. Erst dadurch kann ein evolutionärer Prozess entstehen.
  • Legen Sie Wert auf Mitarbeitende, die bereits Erfahrung in der Anwendung digitaler Prozesse im Zusammenhang mit Ihren Zielgruppen aufgebaut haben. Eine durchdachte und aufmerksame Nutzung digitaler Instrumente innerhalb Ihres Unternehmens führt zu einem umfassenden Verständnis und zur höchsten Stufe der Digitalisierung Ihres Geschäftsmodells.
Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitenden, ein sich selbstorganisierendes System zu entwickeln und ihre Fähigkeiten einzubringen.

Die Kompetenz ist entscheidend – und Rollen sind zeitlich begrenzt

Fazit: Im digitalen Umfeld verändern sich die Rollen des Mitarbeitenden und die des Kunden ständig. Beide werden durch neue Wertesysteme getrieben. Beide unterliegen komplexen digitalen Veränderungen, die sich auf das Nutzerverhalten auswirken. Die unterschiedlichen Fähigkeiten und Ansichten ihrer Mitarbeiter können Sie als Potenzial nutzen. Ihre Mitarbeitenden wissen, was sie tun. Ermöglichen Sie es ihnen, ein sich selbstorganisierendes System zu entwickeln und ihre Fähigkeiten einzubringen. So können Ihre Mitarbeitenden sich weiterentwickeln, sich neuen Gegebenheiten anpassen und lernen. Das kommt Ihrem Unternehmen zugute. Nicht die Funktion ist entscheidend, sondern die Kompetenz – und Rollen sind zeitlich begrenzt. Jeder Mitarbeitende ist aufgrund seiner Fähigkeiten und seiner Interessen eine potenzielle Führungsperson und kann neue Technologien zum Wohle Ihres Unternehmens nutzen. Denken Sie daran: Digitale Transformation beginnt bei ihren Mitarbeitenden.

Wir verhelfen Ihnen zum digitalen Vorsprung

Unsere Experten verhelfen ihnen zum entscheidenden digitalen Vorsprung. Wir begleiten Sie auf Ihrem «digitalen» Weg, zeigen Ihnen konkrete Handlungsfelder auf und unterstützen Sie dabei, relevante und richtige Antworten zu finden. Möchten Sie mehr wissen? Fragen Sie uns: sibylle.stromeyer@becompany.ch steht Ihnen gerne zur Verfügung.

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In der Neuauflage seines Buchs Die fünfte Disziplin: Kunst und Praxis der lernenden Organisation (Systemisches Management), Neuauflage 2011, greift Peter M. Senges überholte Begriffe von Arbeit uns Lernen an. Top aktuell ist das Buch Holacracy. Ein revolutionäres Management-System für eine volatile Welt von Brian J. Robertson (2016). Es liefert nützliche Inputs für die Umgestaltung.